Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, hat den Vorschlag der Bundesbank zur Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 als unsozial bezeichnet. "Die Bundesbank argumentiert an der Wirklichkeit vorbei", sagte Trittin in der ZDF-Sendung "Illner Intensiv".

In vielen Berufen könnten Menschen gar nicht so lange arbeiten. "Solche Diskussionen sind schlicht dazu angetan, die Menschen zu verunsichern. Das ist unsozial", kritisierte der Grünen-Politiker. Was in Deutschland gebraucht werde, sei "eine armutsfeste Garantierente". Nicht bewährt hat sich nach Ansicht Trittins auch die Rente mit 67. Für viele Menschen sei diese Regelung, die bei der Einführung viel Zustimmung erfahren habe, "auf eine Verlängerung der Lebensarbeitslosigkeit" hinausgelaufen.
Harte Kritik übte der Grünen-Spitzenkandidat an der Umweltpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Merkel habe "fast die gesamte deutsche Industrie und damit die gesamte europäische Industrie vom Klimaschutz ausgenommen" und strenge Verbrauchsobergrenzen für Pkw verhindert. "Sie ist keine Klimakanzlerin, sondern sie hat immer, wenn es ernst war, den Interessen des rückständigsten Teils unserer Industrie nachgegeben", so Trittin.

Die Spitzenkandidatin der Grünen in Schleswig-Holstein, Ingrid Nestle, attestierte der bürgerlichen Mitte, dass sie "bei den Grünen angekommen" sei. Die Grünen "fördern mit den erneuerbaren Energien nicht nur die Umwelt, sondern auch die Unabhängigkeit vom Öl", grüne Energien "schaffen neue Jobs" und selbst die Chemiebranche kurbelten die Grünen an, indem sie sich für Forschung einsetzten, die die Herstellung weniger giftiger Stoffe ermögliche, so Nestle.

Der Schauspieler und bekennende Grünen-Wähler Volker Brandt sagte: "Nur ein reiner Grüner ist ein richtiger Grüner!" Er wähle grün, weil er davon überzeugt sei, "dass ein Umdenken stattfinden muss." Das ganze Problem mit der Umwelt und der Energie "muss man bei sich Zuhause beginnen. Es wird so viel Energie verschwendet." Die erneuerbaren Energien "liegen doch vor der Tür", so Brandt. Und wer sie nicht nutze, sei von gestern. Deswegen prognostizierte er Bündnis 90/ Die Grünen auch ein Wahlergebnis "an die 18 Prozent".