Bei "ILLNER intensiv" steht am Dienstag DIE LINKE auf dem Prüfstand. Zu Gast in der Sendung sind: Oskar Lafontaine, Spitzenkandidat und Vorsitzender der Partei, seine junge Parteikollegin Diana Golze und Wladimir Kaminer, Autor und bekennender Linke-Wähler. Sie stellen sich den Fragen von Maybrit Illner.

Oskar Lafontaine, Jahrgang 1943, begann seine politische Karriere 1966 mit dem Eintritt in die SPD. Der Sohn einer Arbeiterfamilie machte schnell Parteikarriere: erst Juso-Vorsitzender, dann im Landesvorstand der Saar-SPD und 1970 der erste Sitz im Landtag. 1976 wurde der Diplom-Physiker Oberbürgermeister in Saarbrücken und 1985 Ministerpräsident des Saarlands. Mit seinem "Nein" zur Nachrüstung und Kernkraft stellte sich der "linke" SPD-Mann Anfang der 80er Jahre gegen den damaligen SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Schon damals forderte Lafontaine den Austritt Deutschlands aus der Nato.
1990 zog er erfolglos als SPD-Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf. 1998 wurde er - seit 1995 SPD-Parteivorsitzender - als Finanzminister Teil des Bundeskabinetts von Kanzler Gerhard Schröder. Im März 1999 trat er überraschend von allen Ämtern zurück. Die Gründe: Differenzen in der Steuerpolitik und "fehlender Teamgeist", so Lafontaine. 2003 feierte er ein Comeback in der Saar-SPD, trat aber im Mai 2005 aus der Partei aus und schloss sich der WASG an.
Seit September 2005 sitzt er wieder im Bundestag, seit 2007 als Ko-Vorsitzender der neu gegründeten Partei DIE LINKE.
Lafontaine tritt als Spitzenkandidat für DIE LINKE bei der saarländischen Landtags- und der Bundestagswahl 2009 an. Er fordert: "Mehr staatliche Kontrolle der Banken", ein "Verbot des Handels von Schrottpapieren", ein Ende "der jahrzehntelangen Enteignung der Arbeitnehmer in Europa", und er sagt: "Für einen gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro würde ich sehr viel tun."

Diana Golze, Jahrgang 1975, engagierte sich schon früh politisch: 1991 trat sie der AG "Junge GenossInnen" in der PDS bei, dem folgte 1997 der Eintritt in die Partei. Im selben Jahr wurde sie Mitglied des Landesvorstandes der PDS in Brandenburg. Von 1998 bis 2001 war Diana Golze Abgeordnete für die PDS im Kreistag Uckermark. Seit Februar 1999 ist die Diplom-Sozialpädagogin stellvertretende Landesvorsitzende der PDS in Brandenburg und seit 2003 auch Abgeordnete für die PDS im Kreistag Havelland. Im September 2005 zog Diana Golze in den Bundestag ein und ist dort Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Vorsitzende der Kinderkommission.
Bei der Bundestagswahl 2009 kandidiert sie erneut für den Bundestag. Ihr prominentester Konkurrent im Wahlkreis Brandenburg/Havel: SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der hier auch als Direktkandidat antritt. Zur Rolle der Linken befragt, zitiert Diana Golze Gregor Gysi: "Es ist die Aufgabe der Linken sich überflüssig zu machen." Golze sagt: "Das sehe ich genauso." Und weiter: "Wenn wir es schaffen, dass die SPD immer weiter nach links rutscht, umso besser!". Und: "Je stärker wir sind, desto sozialer wird das Land."

Wladimir Kaminer, Jahrgang 1967, ist Schriftsteller, Veranstalter und Lebenskünstler. Geboren in Moskau, brach Kaminer mit 14 Jahren die Schule ab, um eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk zu absolvieren. Später studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut und veranstaltete Partys und Untergrundkonzerte in der Moskauer Rockszene.1990 kam Kaminer nach Ost-Berlin, wo er bald und kurz vor dem Ende der DDR die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt. Seit dem Jahr 2000 organisiert Kaminer im "Kaffee Burger" die wegen ihrer guten Stimmung berühmt gewordene "Russendisko", inzwischen einer der "hippesten" Berliner Treffpunkte.
1998 begann Kaminer auf Deutsch zu schreiben, mit Erfolg: erst auf den Berliner Lesebühnen, später mit seinen Texten für diverse Zeitungen. Sein erster Erzählband "Russendisko" bescherte Kaminer im Jahr 2000 den literarischen Durchbruch. 2001 erschien sein erster Roman "Militärmusik". Inzwischen gilt er längst als Kultautor. Seit 2006 ist Kaminer Mitglied des Integrationsrates des Landes Nordrhein- Westfalen, außerdem engagiert er sich für die Partei DIE LINKE. Denn: "Den Kapitalismus muss man nicht mehr bekämpfen. Es braucht ein neues politisches System im Sinne der Menschen und nicht der Ideologien. Wir brauchen jetzt eine Politik von unten, mehr direkte Demokratie", so Kaminer gegenüber dem Magazin "Prager Frühling".